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Zur Geschichte des Produktionsstandortes Salzgitter

Ungewisse Zukunft

Ab Juni 1945 stand das Hüttenwerk in Salzgitter zunächst unter Verwaltung der britischen Militärregierung. Von den ursprünglich geplanten riesigen Werksanlagen war bis Kriegsende nur ein Teil tatsächlich realisiert worden.

Obwohl die Anlagen betriebsfähig waren und kaum Kriegsschäden erlitten hatten, sah es zunächst nicht so aus, als ob das Hüttenwerk jemals wieder die Produktion aufnehmen würde. Als Rüstungsunternehmen und Symbol des nationalsozialistischen Staates sollte es demontiert und nicht demontierbare Anlagen zerstört werden. Die Arbeiten dazu wurden umgehend eingeleitet.

Ab Ende der 1940er-Jahre wuchs der öffentliche Widerstand gegen die Demontage des Hüttenwerkes. Zum einen war die Nachfrage nach Stahl für den Wiederaufbau Deutschlands und Europas groß, zum anderen litt die Bevölkerung der Region große Not. Viele Flüchtlinge und Vertriebene, vor allem aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten, suchten in Salzgitter und Umgebung eine neue Heimat und benötigten dringend Arbeit. Soziale Unruhen drohten.

Sprengung Kokerei II, 1950
Sprengung Kokerei II, 1950
Demonstration gegen die Demontage, 1950
Demonstration gegen die Demontage, 1950
Gesprengte Fundamente des Blechwalzwerks, 1950
Gesprengte Fundamente des Blechwalzwerks, 1950

Als im April 1949 ein erster Hochofen den Betrieb wieder aufnehmen durfte, wurde parallel die Demontage der übrigen Werksanlagen fortgesetzt. Im März 1950 besetzten verzweifelte Arbeiter in einer spektakulären Aktion zur Sprengung vorgesehene Anlagen, um deren Zerstörung zu verhindern. Auch die westdeutsche Regierung sowie politische Parteien und Gewerkschaften setzten sich gegenüber den Alliierten massiv für den Fortbestand des Hüttenwerkes ein. Am 20. Januar 1951 wurde die Demontage schließlich gestoppt. Zu diesem Zeitpunkt waren drei Viertel der Hochofenanlagen, die gesamten Stahl- und Walzwerksanlagen, eine Kokerei sowie große Teile der Nebenbetriebe und zahlreiche Fundamente demontiert oder zerstört.

Auch nach dem Stopp der Demontage blieb die Zukunft des Hüttenwerkes in Salzgitter zunächst noch ungewiss, da die Alliierten die Errichtung von neuen Stahl- und Walzwerken ablehnten. Erst Mitte 1953 – acht Jahre nach Kriegsende – konnte am Standort wieder ein Stahlwerk den Betrieb aufnehmen. Im selben Jahr wurde das Hüttenwerk rechtlich auf die Hüttenwerk Salzgitter AG übertragen, eine neu gegründete Tochtergesellschaft der AG für Berg- und Hüttenbetriebe. Letztere war als Nachfolgerin des deutschen Teils der Reichswerke inzwischen Eigentum der Bundesrepublik Deutschland. Am 27. Juni 1953 erklärte die Alliierte Hohe Kommission die Kontrolle und Neuordnung der früheren Reichswerke offiziell für beendet.


© Salzgitter AG
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